Die Schönen und die Reichen – ein Bericht aus Kitzbühel

So schlecht scheint es den Leuten hier noch nicht zu gehen.

Es ist doch irgendwie immer relativ, wenn man beurteilt, wie es um die Gesellschaft und um die Welt um einen herum steht. Der eine weiß nicht mehr, wohin mit den ganzen Problemen, die Zahlungen erdrücken ihn regelrecht. Und auf der anderen Seite gibt es die Reichen und die Schönen, die Sternchen und vielleicht auch Stars, die ihr Leben an einem Wochenende wie zum Beispiel beim Hahnenkammrennen in Kitzbühel genießen und sich dabei feiern.

Eigentlich ist es auch nicht meine Welt. Aber beruflich war ich kürzlich wieder einmal für das Unternehmen Triofilm TV an diesem Sportwochenende als Produktionsleiter für die Super-Zeitlupen verantwortlich. Als Mitarbeiter erhascht man natürlich auch einen Blick hinter die Kulissen und hat Zugang zu den Bereichen, der dem normalen Fußvolk üblicherweise verwehrt ist. Und so habe ich mir auch dieses Jahr wieder das Skirennen im Zielbereich angesehen und war dort den sogenannten VIPs relativ nahe. Von einer Krise ist dort nichts zu spüren, wenn man sich die ausgebuchten Hotels, die vollen Restaurants und auch die Preise der Skipässe ansieht. Bei einem Preis von ungefähr 74 Euro für einen Tagesskipass kommt schon einiges zusammen, wenn man als Familie mal ein paar Tage auf Skiurlaub fährt. Es geht mir nicht um Neid, ich gönne es jedem, der sich das leisten kann. Aber wenn wir schon von einer Schere zwischen Arm und Reich sprechen, ist es schon bewundernswert, wie nah man selbst an diese Schere geraten und sie am eigenen Leib erfahren kann.

Ja, Kitzbühel ist sicherlich ein extremes Beispiel, doch man muss gar nicht so weit blicken, um zu erkennen, dass immer noch genug Geld vorhanden ist und die Menschen natürlich auch immer noch Freude am Konsum haben. Vielleicht ist es auch eine Art von Ersatzhandlung, die letzten Groschen für ein teures Essen auszugeben oder eben auf den Skiurlaub nicht verzichten zu wollen, obwohl man es sich eigentlich schon lange nicht mehr leisten kann. Ob die Menschen wirklich sorgenfrei sind, wage ich zu bezweifeln. Vielleicht verhält es sich so wie beim bevorstehenden Fasching, dass man einfach mal abschalten möchte und auch die Reichen und die Schönen an so einem Wochenende keine Lust auf den Alltagsstress haben. Eins steht auf jeden Fall fest: So schlimm scheint es noch nicht zu sein: Die Kühlschränke sind voll und die Skiurlaube gebucht.

Wie ist das denn in dieser Welt voller Glitzer und Champagner? Baut man sich da eine Parallelwelt auf, weil man die Realität gar nicht sehen will? Ich denke, dass dies für gewisse Kreisen sicherlich zutrifft. Aber für viele der normalen Menschen, die eben nicht behaupten, sich mit Politik und Gesellschaft auseinanderzusetzen, ist das keine Parallelwelt, sondern die einzige Welt, die sie kennen. Jedes Jahr führt ihr Weg nach Kitzbühel – und da müsste schon einiges passieren, dass sie das ausfallen ließen.

Ich verurteile niemanden dafür, auf der Titanic an der Bar zu sitzen und, obwohl das Schiff untergeht, eben noch einen leckeren Whisky oder Champagner zu trinken. Warum sollte man keinen Spaß mehr haben, sobald man weiß, dass alles den Bach runtergeht? Aber ganz so scheint es bei diesen Menschen eben nicht zu sein. Viele haben tatsächlich den Ernst der Lage noch nicht erkannt. Und da mache ich mir dann eher Sorgen, dass genau diese Menschen irgendwann einmal von der Realität eingeholt werden. In diesem Fall wird das Ganze nämlich unkontrolliert und unvorhersehbar werden.

Wir Aluhut-Träger hingegen haben schon alle Szenarien durchgespielt, wodurch uns nicht mehr allzu viel schocken dürfte. Aber wenn ich mir da eine x-beliebige Person vorstelle, im rosa Skianzug beim Après-Ski mit ihrem „Schatzilein“ und der Champagnerflasche, die dann vielleicht auch noch Funken sprühend eine Diskothek in Brand steckt – ach nee, das war ja in der Schweiz –, ja, dann weiß ich, dass einige garantiert von der Realität geschockt sein und keinen Plan bei der Hand haben werden.

Welches Fazit ziehe ich daraus? Für mich waren es überaus spannend, mich auch einmal in eine Welt zu begeben, in der ich sonst überhaupt nicht zu Hause bin. Es hat mir mal wieder gezeigt, wie sehr wir alle in unseren eigenen Blasen leben. Ich selbst kann also kaum beurteilen, wie die Masse denkt.

Mein Tipp: Hin und wieder Ausflüge in andere Gesellschaftsschichten unternehmen, um besser zu verstehen, was um einem herum geschieht.

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Alle Texte auf dieser Seite werden von mir selbst geschrieben und von Sabine lektorat-punktgenau.at korrigiert.
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